Weltweiter Durst nach Weltfrieden

Macht, Gewalt, Terror, Krieg – zu oft fallen diese Worte im Kontext mit Religion und Glauben. Aktueller denn je sind daher die internationalen Begegnungen von Vertretern aller Weltreligionen, die seit 30 Jahren regelmäßig stattfinden.

Viele Hundert Angehörige Verschiedener Religionen und Glaubensgemeinschaften – Vertreter des Christentum, des Islam, des Hinduismus, des Buddhismus,des Shintoismus, der Sikh-Religion, des Judentums, des Janismus und des Zoroastrismus vereinten sich im September 2016 in Assisi, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen und gegen Gewalt und Hass zu setzen. Zusammen mit  Vertretern aus Kultur und Gesellschaft  unterzeichneten die Vertreter der Glaubensgemeinschaften die Erklärung von Assisi  als Friedensappel an die Welt und als Signal, mit der Hilfe des Glaubens für den Frieden aktiv tätig zu sein.

Organisiert wurde die Veranstaltung „Durst nach Frieden“ von der Gemeinschaft Sant’Egidio, der Diözese Assisi sowie der Franziskanischen Familie. Hier einige Einblicke:

Terrorismus verneint Gott

Niemand kann sich auf seine Religion berufen, wenn er Gewalt ausübt, denn es gibt keine Gewalt im Namen Gottes. Jeder Krieg ist also unheilig und Krieg im Namen der Religion richtet sich immer gegen die Religion selbst. Im Judentum etwa – so der Rabbi Avraham Itzhak Radbil – enden die wichtigsten Gebete mit dem Wort „Schalom“. Dieser Segen für den Frieden steht immer am Schluss, denn ohne den Frieden können sich alle anderen Segenswünsche, wie Gesundheit, Wohlstand oder Erfolg nicht entfalten. Das Wort Schalom stammt im Hebräischen vom Wort „Schlemut“ ab. Schlemut bedeutet Vollkommenheit, Ganzheit. Nur in einem Friedenszustand können wir die Vollkommenheit erreichen.

Ursachen für Krieg beseitigen

Gier nach Macht und Geld, Eigeninteressen, wirtschaftliche Ungerechtigkeit, die Rache wegen vergangener Ereignisse, Habsucht im Waffenhandel, Armut und soziale Ungleichheit, Ausbeutung der Erde und Verachtung des menschlichen Lebens – all dies schürt Unfrieden und führt zu Krieg. Mit der Friedenserklärung von Assisi setzen sich alle Unterzeichnenden mit festem Willen dafür ein, diese Konflikt-Ursachen abzubauenund durch ihre weltweite Zusammenarbeit immer neuen Konflikten vorzubeugen

Bild: Das Boot als Symbol der Hoffnung – vor der Basilika San Francesco. In diesem Boot haben 9 Kriegsflüchtlinge 2014 Lampedusa erreicht.

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Ein Anfang: Zugang zu Trinkwasser und Nahrung für alle

 

Im Sinne von Franz von Assisi:

„Tue erst das Notwendig38W04-Leoquelle-quere,dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche!“  ist der Zugang zu Wasser ein erstes Signal zur Achtung der Mitmenschen. Kein Mensch kann ohne Wasser leben. Weltweit habenschätzungsweise 768 Millionen Menschen keinen Zugang zu guter Wasserversorgung. Auch die Überwindung von Hunger ist in Anbetracht von 795 Millionen unterernährten Menschen ist ein noch weit entferntes Ziel.

Ethik ist wichtiger als Religion

Den Frieden nur passiv zu lieben ist nicht genug, man muss sich auch aktiv um Frieden bemühen. Das ist mit viel Dialog und viel Arbeit verbunden. Dieser Vorsatz beginnt in Form von innerem Frieden bei jedem einzelnen, gilt für die Familie, für die Gemeinde, für die Religionsgemeinschaft und schließlich für die ganze Welt. Alle Religionen verbindet der Glaube. Rabbi Avraham Itzhak Radbil formuliert das so: Wenn alle den Blick nach oben richten und anerkennen, dass alle Menschen Geschöpfe des Allmächtigen sind, dann sehen wir, dass es Platz für alle in dieser Welt gibt, und dass die viele unterschiedliche Menschen sich nicht gegenseitig stören und behindern, sondern ergänzen.

Die Lösung für einen Weltfrieden – so der Appell des Dalai Lama – liegt in einer menschlichen Ethik, die alle Unterschiede der einzelnen Religionen überwindet.

Weitere Informationen zu den Weltfriedens-Treffen der Religionen: www.santegio.org

Das Taukreuz ist Symbol des von Franz von Assisi gegründeten Franziskaner Ordens für  Demut und Erlösung.  

 

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