Herzensthema von Susanne Horn:

Ökolandbau schützt das Trinkwasser

Die Aufregung war groß, als die Zeitschrift Ökotest 2011 in Mineralwässern Stoffe fand, die wohl niemand darin sehen möchte: Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln, Dünger und Medikamenten sowie Schwermetalle. Mineralbrunnen- und Trinkwasserversorger beeilten sich zu betonen, dass Mineral- und Leitungswasser die bestkontrollierten Lebensmittel seien, und Verbraucher keine Gesundheitsschäden zu befürchten hätten. Wir sollen das also einfach akzeptieren?
Mir macht diese zunehmende Verschmutzung schon lange Sorgen, deswegen versuche ich andere für diese Problematik zu sensibilisieren. Denn kaum jemand stellte bislang die Frage, wie diese Substanzen eigentlich ins Wasser gelangt sind? Welche Entwicklung hier noch zu erwarten ist? Was wir dagegen tun können? Vielleicht, weil die Antwort so einfach und die Lösung etwas mühevoll ist. Schon Grundschüler lernen, dass Regen im Boden versickert und irgendwo als Quelle wieder ans Tageslicht gelangt. Die gefundenen Dünger- und Pflanzenschutzmittel-Spuren wurden vom Regen aus dem Boden gewaschen und stammen aus dem Ackerbau. Wenn man sich überlegt, wie lange der Weg des Wassers bisweilen dauert und wie lange Pestizide und Kunstdünger schon verwendet werden, dann ahnt man, dass diese Nachweise vermutlich erst die Spitze des Eisberges sind: Die Konsequenzen aus über 40 Jahren intensiver Landwirtschaft offenbaren sich allmählich.
Wasser ist das wichtigste Nährmittel für Pflanzen, Tiere und Menschen. Wenn wir uns nicht damit abfinden wollen, künftig flächendeckend derartige Substanzen darin zu haben, müssen wir den Ackerbau verändern. Tausende Bio-Bauern zeigen seit über 100 Jahren, dass wir diese Gifte und synthetischen Düngemittel nicht brauchen. Es gibt ausreichend andere Wege, Pflanzen vor Schädlingen zu schützen und ihnen zu einem gesunden Wachstum zu verhelfen, so dass der Landwirt eine gute Ernte erzielen kann.
Doch wenn das alles so klar ist: Warum werden dann nicht einmal 7 Prozent der Ackerfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet? Nun, auch Bio-Bauern brauchen eine Überlebensperspektive, und die sehen sie aktuell aus verschiedenen Gründen oft nicht.
Politik, Lebensmittelhersteller und Verbraucher sind deswegen gleichermaßen gefordert: EU und Bundesregierung müssen endlich dafür sorgen, dass Fördermittel an eine ressourcenschonende Landwirtschaft gebunden werden. Lebensmittelhersteller müssen mit Landwirten kooperieren, ihnen längerfristige Abnahmegarantien geben und ihnen höhere Preise bezahlen, die den Mehraufwand der ökologischen Landwirtschaft decken. Verbraucher sollten ihre Macht nutzen: Kaufen Sie möglichst verbandszertifizierte Bio-Produkte. Drängen Sie Unternehmen, auf Bio-Rohstoffe umzusteigen und den Wasserschutz sicherzustellen. Unterstützen Sie engagierte Politiker. Sprechen Sie mit Ihren Bekannten über das Thema. Denn noch ist es nicht zu spät.

Susanne Horn ist Generalbevollmächtigte der Neumarkter Lammsbräu und Vorstandsmitglied der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL). www.lammsbraeu.de

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