Impressionen von der Frankfurter Buchmesse

“The place to be”: Das Motto der diesjährigen Frankfurter Buchmesse erinnert ein wenig an dasjenige der Olympischen Spiele „Dabeisein ist alles“. Und in der Tat war auch fast alles dabei. Die Hallen 3.0 und 3.1, die wichtigsten Hallen für den an Literatur und Sachbuch interessierten Messebesucher, also dem, den man gemeinhin unter dem Leser versteht, glich eher einem Markt der Möglichkeiten, als einer Ausstellungshalle für Literatur, die beansprucht, ernstgenommen zu werden. Das Angebot an den sog. „Non-Book-Artikel“ reichte von Lesebrillen für die müden Augen, Kuscheltieren und Holzspielzeug für die quengelnden Kinder bis zu Postkarten und Tischschmuck und vielem anderem mehr. Mit dem reichhaltigen Angebot an Wein und Sekt konnte man auch in den Hallen den Alkoholpegel konstant halten und musste sich dafür nicht in ein Restaurant begeben. Dazwischen gab es neben dem großen Angebot an Ratgebern für alle Lebenslagen ein überaus großes an Kochbüchern, die der neue Trend geworden zu sein scheinen, was zu neuen Verlagsgründungen führte, wie z.B. dem „Krautkopfverlag“. Man konnte Probekochen und sich Kochrezepte erklären lassen und an einem benachbarten Stand Rat erhalten, wie man die überschüssigen Kalorien wieder abspecken kann. Bemerkenswert war ebenfalls die große Zahl der Selbst- und der Self-Publishing-Verlage, die sehr stark frequentiert wurden und deren „Anliegen“ es ist, den Schreibenden zu ihren eigenen Büchern zu verhelfen. Auch die Arbeitsgemeinschaft der kleinen unabhängigen Verlage, die sonst immer in Halle 4 zu finden waren, war diesmal in den Hallen 3 vertreten. Dafür fehlten einige Großverlage wie der Schweizer Diogenesverlag. Bei einem Gespräch mit einer Vertreterin dieser Verlagsgemeinschaft hörte man die Sorge um das Überleben der Verlage heraus. Diese Sorge konnte man auch bei den vielen Kinderbuch-illustratorinnen sehen, die am Stand der renommierten Kinderbuchverlage mit ihren Mappen Schlange standen und sich von denen, die es in die Verlage geschafft hatten, gute Ratschläge holten. Es gab viel „Prominenz“, aber herausragende Persönlichkeiten wie in den vergangenen Jahren fehlten, dies gilt sowohl in politischer als auch in literarischer Hinsicht. Comedians und TV-SchauspielerInnen vermögen diese Lücke nicht zu ersetzen, sondern zeigen vielmehr, dass die Buchmesse sich in Richtung Unterhaltungsprogramm bewegt. Die Messe hatte somit überwiegend Eventcharakter hatte und der Kommerz überflügelte die Literatur. Gleichwohl gab es durchaus auch positive Aspekte. So konnte der Alfred-Kröner-Verlag, der zur Verlagsgruppe der Kleinverlage gehört, mit einem hervorragenden Gesamtverzeichnis 2015/2016 aufwarten. Das gleiche gilt für den Berliner Verlag Duncker & Humboldt, der mit dem Zitat von Max Weber „…nichts ist für den Menschen als Menschen etwas wert, was er nicht mit Leidenschaft tun kann“ (Wissenschaft als Beruf) auf sich aufmerksam machte und der ebenfalls ein hervorragendes Verlagsprogramm vorstellte. Auch die Bücher von Navid Kermani, der den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, sowie andere Neuerscheinungen im Bereich Politik, nicht zuletzt die der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch sind durchaus erwähnenswert. Insgesamt aber hatten Inhalte und Qualität gegenüber Kommerz und Quantität das Nach-sehen, so dass die Messe mich enttäuscht hat.

Von Helga Ranis