Die Agrarminister und das Wasser

Es gibt Nachrichten, da denkt man spontan: endlich mal was Positives. Aber wenn man dann näher hinschaut, relativiert sich das leider wieder etwas.

Zu dieser Art Nachricht gehört auch folgende: 20 Staaten beziehungsweise 20 Agrarminister verständigen sich auf einen Aktionsplan zu einem nachhaltigen Umgang mit Wasser. So geschehen beim G20-Agrarministertreffen am 22. Januar 2017 in Berlin. Zum Auftakt der deutschen G20-Präsidentschaft erfolgte die Einigung zu diesem Aktionsplan. Der Aktionsplan hält Verpflichtungen fest, mit denen die G20-Staaten den nachhaltigen Umgang mit Wasser sichern wollen – in den Bereichen Politik, Technik, Forschung, Wissens- und Erfahrungsaustausch. Oder einfacher ausgedrückt: Es sollte ein Plan gegen die Wasserverschwendung sein. Man kann es sich nicht oft genug bewusst machen: 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs gehen derzeit auf das Konto der Landwirtschaft. In den am wenigsten entwickelten Ländern liegt er sogar bei 90 Prozent. Da ist der Handlungsbedarf enorm.

Da kann man Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt eigentlich nur zustimmen, wenn er zum Start des Treffens sagt: “Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung und die Ziele der Agenda 2030 muss die Landwirtschaft noch produktiver, nachhaltiger und verantwortungsvoller mit den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen umgehen. Im Mittelpunkt unseres G20-Agrarministertreffens steht das Thema Landwirtschaft und Wasser – denn ohne Wasser gibt es kein Leben, ohne Wasser gibt es keine Lebensmittel – ohne Wasser gibt es Hunger und Durst.“

Beschlossen haben die Agrarminister dann unter anderem Folgendes:

Verfahren zur Wasserverteilung

Durch Gesetze und Verordnungen sollen „Verfahren zur Wasserverteilung“ geregelt oder durch Marktanreize aufgebaut oder verstärkt werden. Angesichts des immer heftigeren Konkurrenzkampfs um die Ressource Wasser ist das ein wichtiger Schritt. Es wird jedoch bei der Umsetzung in den einzelnen Staaten sehr darauf ankommen, wer bei der Verteilung berücksichtigt wird. Schlecht wäre es, wenn gerade die  Kleinbauern, die bei der Schonung der Wasserreserven erheblich besser abschneiden, als industrielle Großkonzerne, nicht im ausreichenden Maße berücksichtigt werden.

Intensivierung der Forschung

Auch das Thema Intensivierung der Forschung in Pflanzen, die weniger Wasser brauchen ist zweischneidig. Bei diesem auch unter dem Begriff „more crop per drop“ (mehr Ernte pro Tropfen) bekanntem Ansatz, muss sich zeigen welche Nutzpflanzen priorisiert werden. Werden die profitträchtigen Nutzpflanzen der globalen Konzerne bevorzugt, setzt das die falschen Impulse.

Digitalisierung als Chance

Einen Schwerpunkt bildet im Rahmen des Aktionsplans das Thema Digitalisierung. Nach Ansicht von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt lässt sich durch die Digitalisierung Beachtliches für den nachhaltigen Umgang mit Wasser leisten. Die Digitalisierung bedeute eine große Chance für die Landwirtschaft und die weltweite Ernährungssicherung. So können zum Beispiel Wetterdaten auch zu einer effektiveren Wassernutzung beitragen.

Doch bei allen kritischen Punkten muss man doch sehen, dass sich hier 20 Staaten überhaupt auf einen Aktionsplan geeinigt haben. Immerhin stehen diese 20 Staaten für 90 Prozent der globalen Wirtschaftskraft, zwei Drittel der Weltbevölkerung, 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche und 80 Prozent Erzeugung der gehandelten Grundnahrungsmittel.

Sozusagen in letzter Minute haben sich diese 20 Staaten darüber hinaus auch darauf geeinigt, bis 2020 nationale Ausstiegspläne für den Einsatz von Antibiotika als Wachstumsbeschleuniger zu erarbeiten. Dies könnte man tatsächlich als internationalen Meilenstein auf dem Weg zur Reduzierung der Antibiotikaresistenzen – auch beim Menschen- sehen.

Foto-Quelle: BMEL/photothek.net/Thomas Imo