Buch-Tipp: Bessere Welt – hat der Kapitalismus ausgedient?

Wäre eine Welt ohne Kapitalismus eine bessere Welt? Mit dieser Frage setzt sich der Ökonom Giacomo Corneo auseinander.

Giacomo Corneo ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin. Ausgehend von der Feststellung, dass der Kapitalismus unbeliebt ist, stellt er sich die Frage, ob es überhaupt eine Alternative dazu gibt und wenn ja, wie diese aussähe. Dazu inszeniert er ein Streitgespräch zwischen einem Vater und seiner systemkritischen Tochter, die das Wirtschaftssystem als verschwenderisch und ungerecht bezeichnet. Um seine Ideen zu entfalten, lädt der Autor zu einer ideellen Rundreise zu den aussichtsreichsten alternativen Wirtschaftssystemen, die bis dato erdacht worden sind, ein. Die einzelnen Stationen dieser Reise schickt er als Attachement an seine Tochter. Diese Reise führt, angefangen über Platons Idealstaat und Thomas Morus´ Utopia zu einer Zukunftsvision, in der jeder für das Gemeinwohl arbeitet, seinen Konsum aus freien Stücken einschränkt, so dass alle in gleichem Maße die eigenen Bedürfnisse befriedigen können. Man fühlt sich an John Stuart Mill´s Prinzip des Utilarismus erinnert. Von dieser Reise in die Zukunft gelangt Corneo wieder zurück zu den neuesten Vorschlägen der Gegenwart. Hierzu gehören das bedingungslose Grundeinkommen, die Sozialerbschaft sowie der Aktienmarktsozialismus. Zunächst wird das Regelwerk jedes alternativen Wirtschaftssystems beschrieben, durchgespielt und analysiert, um herauszufinden, ob das jeweilige System eine Alternative zum Kapitalismus in seiner heutigen Form wäre. Vergleichsmaßstab ist die soziale Marktwirtschaft, das Wirtschaftssystem Deutschlands und anderer europäischer Länder. Aber auch die Soziale Marktwirtschaft wird der Kritik unterzogen. Abschließend kommt der Verfasser zu dem Ergebnis, dass eine pluralistische Marktwirtschaft mit einem effektiven und großzügigen Wohlfahrtsstaat das beste Wirtschaftssystem wäre, dass wir uns aber von diesem in den letzten zwei Jahrzehnten weit davon entfernt haben. Er spricht sich daher für eine Metareform aus, deren Sinn es ist, den Staat wieder vertrauenswürdig zu machen, und die Mechanismen zu stoppen, die die Instabilität des Wohlfahrtstaates bedingen.

Dazu benennt er die Aktionsfelder Transparenz, direkte Demokratie, höhere Ausgabenqualität sowie eine internationale Koordination der Steuerpolitik. Am Ende des Buches diskutiert Corneo mit der Tochter über die Vorteile des Aktienmarktsozialismus, des von ihr präferierten Systems. Beide sind der Ansicht, dass, wenn sich das verwirklichen ließe, eine bessere Welt entstehen könnte..

Das Buch wendet sich an eine breite Leserschaft und setzt keine wirtschaftswissenschaftlichen Spezialkenntnisse voraus. Dem Autor ist es sehr gut gelungen, wichtige Sachverhalte allgemein verständlich darzustellen, so dass es sich flüssig lesen lässt und auch der volkswirtschaftliche Laie über eine ernstzunehmende Alternative zum bestehenden System nachdenken kann.

Giacomo Corneo: Bessere Welt. Hat der Kapitalismus ausgedient? Eine Reise durch alternative Wirtschaftssysteme. Goldegg-Verlag Berlin,Wien, 2014. ISBN Print: 978-3-902903-73-0, Preis: 24,90 Euro