Worte helfen heilen

Mit der Diagnose Krebs öffnet sich ein Abgrund für viele Betroffene. Frühzeitige psychoonkologische Betreuung fängt die Menschen auf und hilft ihnen, die Situation besser zu bewältigen. Der Verein Projekt Schmetterling e.V. hilft Krebskranken und deren Familien, mit der psychischen Belastung der Krankheit umzugehen.

Oftmals ist es eigene Betroffenheit, die ein neues Bewusstsein für menschliches Leid schafft. Auch beim Verein Projekt Schmetterling standen am Anfang leidvolle Erfahrungen, die dazu motivierten, sich mit anderen Betroffenen, Ärzten und Führungskräften aus der Wirtschaft zusammenzutun, um Patienten und ihren Familien eine umfassende psychoonkologische Betreuung nach der Diagnose Krebs möglich zu machen. Aus den 19 Gründungsmitgliedern sind inzwischen 160 Mitglieder geworden, die mächtig wirbeln, um das so dringend benötigte Geld zu beschaffen.

Vom Gospelkonzert bis zum arktischen Spendenlauf
Mehr als 1 Million an Spendengeldern konnte der Verein seit den neun Jahren seines Bestehens einsammeln. Dabei inszenierten die Mitglieder ein Feuerwerk an Charity-Aktivitäten: vom Gospelkonzert in der Frankfurter Katharinenkirche bis zur Charity Show im English Theatre in Frankfurt, vom „Ladies Open Schmetterling Golf Cup” bis hin zum Verkauf von Schmetterlings-Armbändern durch einen Juwelier in der exklusiven Goethestraße. Eine der wohl spektakulärsten Aktionen war der „Yukon Arctic Spendenlauf” des Frankfurter Kriminaloberrats Jörn Theissig. Der „Yukon Arctic Ultra” gilt aufgrund seiner Länge und der extrem niedrigen Temperaturen in der kanadischen Eiswüste als der härteste und kälteste Ultramarathon der Welt. 2015 startete Jörn Theissig dort als Einzelläufer und erklärte seinen Lauf zu seinem persönlichen Yukon-Arctic-Spendenlauf, mit dem er die bislang größte privat erlaufene Spendensumme in Deutschland einsammelte: mehr als 70.000 Euro zugunsten des Vereins Projekt Schmetterling. Mit dem Spendenlauf konnte Theissig viel Aufmerksamkeit auf den Kampf gegen den Krebs und die Arbeit des Vereins „Projekt Schmetterling“ lenken. Eine Wirkung, die für Bernhard Läpke, den Vorsitzenden des Vereins, genauso wichtig ist wie das eingenommene Geld. „Wir wollen die Gesellschaft aufrütteln, damit die Wichtigkeit der frühzeitigen Versorgung von Krebskranken und ihrer Familien verstanden wird“, sagt Läpke.

Einstellung und Heilungsprozess
Alle, die sich für den Verein Schmetterling engagieren, haben ihr eigenes Motiv. Linda Chamness, eine der aktiven Charity-Ladies, formuliert ihre Motivation folgendermaßen: „Ich weiß, wie negativ Gedanken auf den Körper wirken. Die Einstellung hat einen großen Einfluss auf den Heilungsprozess.” Auch die Erfahrungen von Dr. Bianca Senf, Leiterin der Abteilung Psychoonkologie des Universitätsklinikums Frankfurt, gehen in diese Richtung. Seit 30 Jahren ist die Psychotherapeutin auf diesem Feld tätig und beobachtet dabei immer wieder: Es kann sich so etwas wie ein „Demoralisierungs-Syndrom” entwickeln, wenn Menschen mit ihrer Angstthematik alleine gelassen werden. Die Psychoonkologie kann dabei helfen, dass „Belastungen nicht chronifizieren”. Oft hat eine Krebsdiagnose unmittelbare Auswirkungen auf die Familie. Da ist die Mutter, die aus Angst nicht mehr aus dem Haus geht. Die psychoonkologische Beratung hilft den Betroffenen dabei, sich zu zentrieren. „Manchmal reichen schon kleine Informationen, um nicht die Fassung zu verlieren”, weiß die erfahrene Psychologin. Dabei legt Dr. Senf Wert darauf zu betonen, dass es sich bei der psychoonkologischen Beratung nicht um eine klassische Psychotherapie handelt. Es ist vielmehr ein Stabilisierungs-Programm. In der Regel bekommen Krebs-Patienten, die von ihren Ärzten vermittelt werden oder die sich selbst um die Betreuung bemühen, innerhalb von einer Woche bei ihrem Team einen Termin. Oft fühlen sich Patienten schon nach einem Gespräch entlastet. Im Durchschnitt braucht es drei bis vier Gespräche, um längerfristige positive Ergebnisse zu erzielen.
Derartige positive Ergebnisse können zum Beispiel sein, dass die Patienten damit beginnen, sich bewusst mit ihrer Angst vor Schmerzen, mit ihrer Angst vor dem Sterben oder mit der Frage, wie sie mit ihren Kindern über die Krankheit sprechen sollen, auseinandersetzen. Auch beginnen Menschen, die glauben, ihr Ende vor Augen zu haben, sich aktiv mit ihren Lebens-Themen auseinanderzusetzen. „Menschen mit Krebsdiagnose sind sehr veränderungsmotiviert”, macht Dr. Bianca Senf immer wieder die Erfahrung und das ist auch eine Motivation ihrer Arbeit, die sie als „sehr befriedigend” empfindet.

Ein Engagement zieht Kreise
Die positiven Effekte einer psychologischen Betreuung von Krebspatienten sind mittlerweile wissenschaftlich belegt und unbestritten. Trotzdem ist unser Gesundheitssystem von einer umfassenden psychoonkologischen Versorgung von stark belasteten Patienten und deren Familienmitgliedern noch immer weit entfernt. Im Allgemeinen wird diese Art der Betreuung nicht von den Krankenkassen übernommen. Deshalb muss ihre Finanzierung anderweitig erfolgen.
Ohne die Unterstützung des Vereins Schmetterling könnte die Abteilung Psychoonkologie des Universitätsklinikums Frankfurt ihr Engagement in dieser Form allerdings nicht leisten. Denn sie ist zu einem großen Teil von Spenden abhängig. Nur durch den Geldfluss von Organisationen wie dem Verein Schmetterling können pro Jahr rund 1 200 Patienten mit ihren Familien psychoonkologisch betreut werden. Neben der Uniklinik Frankfurt fördert der Verein Schmetterling auch die der Universitätsmedizin in Mainz sowie die Asklepios Kliniken in Nordhessen. Doch es gäbe noch viel zu tun: Denn die psychoonkologische Betreuung von Krebspatienten ist immer noch die Ausnahme und nicht die Regel.

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Foto: Verein Projekt Schmetterling

40F05_Logo-SchmetterlingVerein Projekt Schmetterling

Der im Jahr 2007 gegründete Verein Projekt Schmetterling hat es sich zur Aufgabe gemacht, Krebspatienten und ihren Familien eine umfassende psychoonkologische Betreuung zu ermöglichen. Darüber hinaus will der Verein in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der psychoonkologischen Betreuung nach der Diagnose Krebs schaffen. Sämtliche Funktionen im Verein werden ehrenamtlich, mit teilweise erheblichem Zeitaufwand wahrgenommen. Die Spendengelder des Vereins sowie Erlöse aus Benefizveranstaltungen fließen direkt und zu 100 Prozent in die Betreuung der Patienten und ihrer Familien.

Spendenkonto:

Verein Projekt Schmetterling
Deutsche Bank
IBAN DE 29 5007 0024 0013 9337 00
www.verein-projekt-schmetterling.de