Was bei Blitzen sonst noch passiert

Dünger-Herstellung in der Natur: Blitze lassen gebundenen Stickstoff entstehen.

Die Luft um uns herum besteht zu 78 Prozent aus Stickstoff – Stickstoff, den die meisten Pflanzen aber nicht nutzen können, denn in seiner atmosphärischen Form wird Stickstoff durch die stärkste chemische Bindung zusammen gehalten. Es bedarf viel Energie, um diese Bindung zu knacken und Stickstoff in reaktiver Form bereitzustellen. In seiner reaktiven Form wird Stickstoff allerdings zum Motor allen biologischen Wachstums.

Die Natur kennt zwei Mechanismen, um die starke Bindung von athmosphärischem Stickstoff aufzubrechen: Hohe Temperaturen sowie Bakterien. Bis zur Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens im Jahr 1909 blieb die natürliche Synthese von reaktivem Stickstoff über Vulkanismus, Gewitter, Bakterien sowie Bodenentgasung die wesentliche Quelle für düngende Stickoxide.
Hohe Temperaturen
Hohe Temperaturen, wie sie bei Gewittern oder Vulkanausbrüchen entstehen, sind dazu in der Lage, athmosphärischen Stickstoff in reaktiven Stickstoff umzuwandeln. Bei Gewittern treten starke elektrische Entladungen mit Lichtblitzen und Donner auf. Dabei bilden sich aufgrund der sehr hohen Temperaturen von mehr als 30.000 Grad pflanzenverfügbare
Stickoxide. Auf diese Weise lassen Blitze und Vulkane weltweit pro Jahr rund 20.000 Tonnen an gebundenem Stickstoff entstehen.
Bakterien
Stickstoffbakterien sind durch ein Enzym – die Nitrogenase – dazu in der Lage, Luftstickstoff biologisch verfügbar zu machen. Dies ist ihnen jedoch nur in der Symbiose mit Pflanzen möglich. Beispiele für Pflanzen, die mit Stickstoffbakterien kooperieren, sind die Erle, der Sanddorn sowie Bohnen, Erbsen, Klee und Lupinen. Hierzulande wird natürliche Düngung dadurch praktiziert, dass Legominosen wie Lupinen auf die brachen Felder ausgebracht werden. Man schätzt die Menge des weltweit durch Bakterien fixierten Stickstoffs
auf mehr als 120 Millionen Tonnen jährlich.