Unvergesslich: Ein Abend mit Joan Baez

Tausende begeisterter Fans feierten die Queen of Folk Music auf dem Tollwood Festival in München

Joan Baez, die sich mit ihren Liedern für die Verwirklichung der Menschenrechte und für Frieden und Freiheit einsetzt, hat sich schon seit Langem als politisch engagierte Sängerin international einen Namen gemacht. Seit Ende der 1950er Jahre kämpft sie mit ihren Liedern und ihrer unvergleichlichen Stimme für eine bessere Welt und gegen die Ungerechtigkeit. Für viele war und ist sie eine musikalische Lebensbegleiterin. Ich selbst habe sie 1980 als 18-Jährige zum ersten Mal in Würzburg gehört und kann mich noch daran erinnern, wie beeindruckt ich war. Joan Baez ist eine der wenigen KünstlerInnen, die eine klare Botschaft haben. Ausschlaggebend für ihr Engagement war 1956 eine Rede von Martin Luther King, die sie sehr beeindruckt hat und mit dem sie später auch an unzähligen Demonstrationen teilnahm. Musiker wie Harry Belafonte und Pete Seegers inspirierten sie ebenfalls und so fand sie schon sehr früh zum politischen Folksong, dem sie bis heute treu geblieben ist. Nachdem sie schon längere Zeit nicht mehr in Deutschland war, ist sie in diesem Jahr wieder auf Tournee. Eines ihrer wenigen Konzerte gab die mittlerweile 74-Jährige am 11.7. vor ausverkauftem Haus, sprich dem Tollwood-Zelt, in München. Tollwood ist ein alternatives Festival mit politischen Statements, und wer sollte dort auftreten, wenn nicht Joan Baez? Mit ihrer Stimme, die genau so klar ist wie ihre Botschaft, präsentierte sie sowohl eigene Songs, wie „ Diamonds and Rust“ und Here´s to you“ aber auch die Klassiker der Kollegen. Unterstützt wurde sie dabei teilweise von dem Multi-Instrumentalisten Dirk Powell, ihrem Sohn Gabe Harris an der Percussion sowie von der zweiten Sängerin Grace Stumberg, einem Erfolg versprechendem Talent. Joan Baez präsentierte Songs wie das legendäre „Joe Hill“, „ God is God“, „ Jerusalem“, „ Gracias a la vida“ und “It´s all over now, Baby Blue”. Selbstverständlich durfte auch das “ House of Rising Sun” nicht fehlen und mit dem Titel “ Me and Bobby McGee“, das sie gemeinsam mit der jungen Kollegin sang, fühlte man sich an Janis Joplin erinnert. Als Zugabe gab es u.a. die Songs „Sag mir, wo die Blumen sind“ und „ Blowin´ in the Wind.“ So ungefähr muss es in Woodstock gewesen sein. Das absolute Highlight des Abends war jedoch „Imagine“ von den Beatles, bei dem nicht nur der Künstlerin sondern auch dem einen und der anderen aus dem Publikum die Tränen kamen. Vor der Bühne zu stehen und Joan Baez „Imagine“ singen zu sehen und zu hören, ein unvergessliches Erlebnis.

Helga Ranis