Philosophie für Zwischendurch: Existentialismus

Der Existentialismus ist eine philosophische Strömung, die nach dem  Zweiten Weltkrieg entstand und vor allem in der Mitte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung gewann. In diesem Begriff steckt das Wort „Existenz“, denn die menschliche Existenz steht im Mittelpunkt der Philosophie. Dies ist im Vergleich zu den bisherigen Themen der Philosophie eine völlig neue Denkweise. War der Mensch seither gewissermaßen bestimmt (z. B. biologisch, gottähnlich, vernünftig), so geht der Existentialismus von der bloßen Existenz des Menschen aus. Der Mensch ist als Mensch nur dann zu verstehen, wenn von seiner eigenen individuellen Existenz ausgegangen wird.  Der Mensch versteht sich selbst nur, wenn er sich selbst erlebt. Am intensivsten erlebt er sich in den Grenzsituationen Tod, Kampf, Leiden und Schuld. In diesen Grenzsituationen wird deutlich, dass Lebensbedingungen zerbrechen können und man radikal auf sich selbst zurückgeworfen wird.  Am stärksten geschieht dies im Bewusstsein des Todes, der das bloße Dasein schlechthin bedroht und zum Prüfstein wird. Dieser Philosophie liegen die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zugrunde und das Bewusstsein des Todes war allgegenwärtig, sie spiegeln sich auch in den unterschiedlichen Werken dieser Philosophen wider.  Hauptvertreter und Begründer dieser philosophischen Richtung, der Existenzphilosophie, die in Frankreich ihren Ursprung hatte, war der französische Philosoph und Schriftsteller Jean -Paul Sartre. Er gilt als einer der umstrittensten Intellektuellen der zeitgenössischen Philosophie. Im Mittelpunkt seines Denkens steht der Freiheitsbegriff:  Da es keine höhere Instanz gibt, die das Wesen des Menschen bestimmt, bestimmt der Mensch in seiner Existenz sich selbst. Der Mensch ist in die volle Verantwortung für sich selbst geworfen. Der Mensch muss versuchen, sich selbst zu verwirklichen. Somit ist er nichts anderes, als das, wozu er sich macht. Der Mensch ist kein Opfer von Verhältnissen, sondern es besteht ein Zusammenspiel zwischen Prägung durch konkrete Umstände und bewusster Selbstschaffung. Jeder Mensch hat nach   Sartre die Möglichkeit, im Rahmen der gegebenen Umstände, frei zu wählen und zu entscheiden, was er mit seinem Leben tun will. Er ist aber auch für alles verantwortlich, was er tut. Er ist zur Freiheit verurteilt, so die Kernaussage Sartres. Diese totale Freiheit bedeutet aber auch, die vollständige Verantwortung für sich und sein Handeln und die daraus entstehenden Konsequenzen zu übernehmen. Für das eigene Leben kann niemand anderes verantwortlich gemacht und es kann durch keine andere höhere Instanz wie Gott entschuldigt werden. Der Mensch ist auf sich allein gestellt, eine Erfahrung, die nicht nur Sartre während des Zweiten Weltkriegs gemacht hat und die ihn geprägt hat. Deshalb fordert er den Menschen zu einem aktiven Handeln auf: Wir selber müssen die Bedeutung, den Sinn für unser eigenes Leben schaffen. Existieren heißt, sein eigenes Leben zu schaffen, verantwortlich für sich selbst zu sein.  Von Helga Ranis.

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