Naturkosmetik-Camp 2017 – die Pioniere wahrer Schönheit und Nachhaltigkeit

Vom 19.-21. Juni 2017 fand im Allgäu das 4. Naturkosmetik-Camp statt und gab 130 Teilnehmern aus der Naturkosmetik-Branche die Möglichkeit zum intensiven Austausch. Für Händler wie für Rohstofflieferanten und Hersteller, für Newcomer der Branche wie für die Pioniere der Naturkosmetik bietet dieses alljährliche Camp auch die ideale Gelegenheit, um mit gemeinsamen Werte-Überzeugungen an einem Strang ziehen zu können, zum Beispiel im Bereich der Zertifizierungen und der Einflussnahme auf die Politik. Die Tatsache, dass der ehemalige Nischenmarkt der Naturkosmetik immer mehr zum Mainstream wird, birgt Chance und Risiko zugleich, die Chance auf weniger Chemie genauso wie das Risiko einer Verwässerung der Gesetzgebung im Sinne des Green-Washing.

Was bedeutet die ISO-Norm 16128 für die Natur- und Biokosmetik-Branche und Verbraucher?

Dieses wichtige Thema brachten Sven Gehrig von Wala Heilmittel  und Krystel van Hoof von Natrue in ihrem Workshop zur Sprache. Sollte die ISO-Norm 16128 als Gesetz von der EU erlassen werden, so würde diese deutlich schwächere Standards bedeuten: Ein Minimum von 49,9 Prozent Bio-Anteil wäre ausreichend für das Siegel, demgegenüber stehen die zahlreichen existierenden privaten Standards und die daraus resultierenden Labels mit bis zu 100 Prozent Bio-Anteil, also ein fraglicher Fortschritt für Mensch und Natur sowie eine Verwässerung der existierenden  Qualitätsstandards. Die mangelnde Transparenz im Siegel-Dschungel und die Tatsache, dass der Begriff “Naturkosmetik”  bislang gesetzlich undefiniert bleibt, birgt aber genauso das Potential für Missbrauch mit den Begrifflichkeiten “Natur”und “Bio”.

Durch geschicktes Marketing könnte die ISO-Norm 16128 also einen Vorteil für die konventionell arbeitenden großen Kosmetik-Marken bedeuten. Für Verbände wie Natrue und Cosmos sollte dies Anstoß geben, intensiver auf nationaler wie auf internationaler Ebene zusammenzuarbeiten und das gemeinsame höhere und anspruchsvollere Ziel für Mensch und Natur nicht aus den Augen zu verlieren. Für den Verbraucher bedeutet dies mehr denn je: Kritisch bleiben, genau hinschauen und hinhören bei der Kauf-Entscheidung und sich über die INCI-Liste schlau machen. Daran schließt sich konsequent die Frage an:

Welche Verantwortung und Haltung müssen Naturkosmetikhersteller zukünftig einnehmen?

Bettina Wyciok von Weleda kam in dem von ihr initiierten Workshop zu folgendem Fazit: Jeder Produzent, Hersteller und Händler kann in seinen Möglichkeiten und auch jenseits der eigenen Haustür sein Beitrag leisten. Elementar wichtig ist die politische konzentrierte Arbeit, Aufklärung und Kommunikation – jenseits von reiner Produkt-Werbung – im Sinne der “echten” Naturkosmetik. Große konventionelle Kosmetik-Marken mit ihren Einfluss-Möglichkeiten auf Politik und Verbraucher dürfen dabei nicht unterschätzt werden, auch was die zunehmende Verwirrung im Siegel-Dschungel angeht. Das von der EU geplante PEF-Siegel (product environnment footprint) sagt so zum Beispiel gar nichts über Aspekte wie biologischen Anbau oder fairen Handel aus.

Biologischer Anbau und fairer Handel

Bei dem Workshop von Silva Imken von Börlind ging es konkret um nachhaltiges Palmöl. Die Ölpalme hat den höchsten Ertrag aller Ölpflanzen und somit die höchste Flächenleistung, um den weltweiten Bedarf nach Pflanzenöl zu bedienen. Palmöl ist ein wertvoller Bestandteil von Naturkosmetik, wichtig ist dessen nachhaltige Herkunft. Herausfordernd ist die Rückverfolgbarkeit. Insbesondere auch beim Einkauf von den für die Herstellung von Naturkosmetik wertvollen Derivaten (Stoffe ähnlicher chemischer Struktur) in zertifizierter Qualität könnten sich Firmen abstimmen, um auch bei kleinen Mengen maximal nachhaltige Qualität zu erhalten. Auch in der Transparenz der Rohstoffkette zeigte sich, wie wichtig das gemeinsame Agieren der Naturkosmetik-Hersteller ist – auch über die eigene Branche hinaus im Austausch mit Bio-Lebensmitteln-Herstellern wie Rapunzel.

Bereits erschienene Beiträge zum Thema: Naturkosmetik: Labels für Transparenz

Foto: Naturkosmetikcamp 0617 © Foto Dirk Holst DH STUDIO KÖLN, H a u p t s t r. 2 3 9, 5 1 1 4 3 K ö l n.