MiShu ein Stuhl fürs Leben

Reihe: Getestet und für Gut befunden

Bei einem Workshop zum Thema Rückengesundheit komme ich mit Gabriele Wander, der Erfinderin des MiShu-Stuhls, ins Gespräch. Von Martina Guthmann.

Gabriele Wander erzählt mir, wie sie vor vielen Jahren ihre haltungsbedingten Rückenschmerzen mit ihrer eigenen Erfindung kurierte. Das macht mich neugierig. Der MiShu ist ein Bewegungsstuhl, der seinen Be-Sitzer ganz von selbst in eine gesunde Haltung bringt. Möglich wird der dreidimensionale Bewegungs-Spielraum für Becken und Wirbelsäule durch drei Gelenke. Das erste Gelenk animiert die Wirbelsäule zu kleinen Seitneige-Bewegungen, die in der Evolutionsgeschichte dem Schwimmen der Fische ähnlich sind. Das zweite Gelenk schwingt vor und zurück und führt zu einem fließenden Wechsel von Beugen und Strecken – wie es beim Laufen der Vierbeiner auf festem Untergrund geschieht. Dabei werden die Bandscheiben sanft massiert. Das dritte Gelenk erlaubt die Drehbewegung um die eigene Achse. Diese Fähigkeit zur Rotationsbewegung ist die jüngste und unterstützt auch die gedankliche Flexibilität, denn durch das sanfte intuitive Austarieren des Gleichgewichts bleiben Körper und Geist in permanenter Dynamik.

Aktives Sitzen als Fitnesstraining

Schritt für Schritt bauen wir den MiShu im Workshop zusammen. Im ersten Moment fühlt sich jede neue Schwingungs-Richtung ungewohnt labil an. Doch schnell lernen Körper und Kopf und wie alle anderen Teilnehmer stelle auch ich fest, dass ich wie von selbst eine richtig aufrechte Haltung auf dem MiShu einnehme. Ich spüre, wie aktives Sitzen zum Fitness-Training werden kann.
Nun frage ich mich, wie alltagstauglich der MiShu ist, und ich lasse mich auf einen Vier-Wochen-Test ein. Weil das formschöne Stück mit den Esszimmer-Möbeln harmo- niert, steht er zunächst am Tisch und ich erlebe das Frühstück schon mit einer sanften heilsamen Schwingung in meiner Lendenwirbelsäule. Dann wandert der MiShu mit mir zum Schreibtisch und ich bin gespannt, ob ich mich bei diesem beweglichen Sitzen konzentrieren kann. Gegen Mittag stelle ich fest, dass ich – ohne ständig daran denken und darauf achten zu müssen – immer noch aufrecht sitze und dass das bewegte Sitzen nicht nur meinen Rücken, sondern auch meine grauen Zellen aktiviert hat, denn die Arbeit ging mir leichter als sonst von der Hand. Der Lehrstuhl für Trainings- und Bewegungs- wissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hat durch Hirnstrom- messungen festgestellt, dass ich mit dieser Erfahrung kein Einzelfall bin. Die Forscher stellten bei ihren Probanden fest, dass schon nach wenigen Minuten des dynamischen Sitzens auf dem MiShu das Gehirn spontan mit signifikant höheren Alpha-Schwin- gungen reagiert. Dieser Alpha-Modus im EEG ist ein Indikator für einen entspannten und kreativen Gehirn-Zustand, in dem spielerisch Neues entstehen und aufgenommen werden kann. Außerdem schnitten die MiShu-Probanden bei anschließend durch- geführten Konzentrations- und Leistungstests deutlich besser ab als die Kontroll- gruppe. Da ich mit meiner Begeisterung für den MiShu in der Familie nicht allein bin, wird der erste MiShu im Haus wohl nur der Anfang sein. Nun beginnt die Qual der Wahl zwischen den verschiedenen Holz- und Kissen-Farben. Sicher bin ich mir allerdings, dass mir meine körperliche und geistige Gesundheit diese Investition danken wird.

Tipp:
So aktivieren Sie Ihre Rückenmuskulatur. Mit einem weichen Ball lässt sich die Tiefenmuskulatur direkt an der Wirbelsäule entspannen und zugleich kräftigen: Den elastischen Ball im Stehen (oder im Sitzen auf dem MiShu) zwischen Rücken und Wand klemmen, dann kleine, sanfte Kreisbewegungen gegen den elastischen Wider- stand ausführen. Im unteren Rücken beginnen und dann in unterschiedlichen Höhen spielerisch ein paar Minuten experimentieren. Diese Übung braucht ganz wenig Zeit, ist erstaunlich wirkungsvoll und tut richtig gut.

www.mishu.de/filmuebung-mit-dem-ball.php

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Quelle Fotos: MiShu, Titelbild Gabriele Wander mit einem Biotensegrity-Wirbelsäulenmodell