Handgewebte Couture

Die Modelle von Kathrin Schiefer sind Unikate, wie es sie in ihrer handwerklichen Konsequenz heutzutage kaum noch gibt: Die Basis bildet Wolle von heimischen Schafen, die nach den Vorgaben der Rosenheimer Designerin versponnen und gewoben und von ihr selbst zu individueller Mode verarbeitet wird.

Der Ursprung für Kathrin Schiefers Begeisterung für handgewobene Wollstoffe liegt im Webstuhl ihrer Mutter Maria. Weil die naturverbundene Rosenheimerin seit jeher für sich und ihre zwei Töchter Kleidungsstücke aus selbstgewebten Stoffen anfertigte, hat Kathrin Schiefer das Bedienen von Webstuhl, Spul- und Spinnrad quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Auch wenn die 43jährige Designerin heute für ihre Modelle spinnen und weben lässt, so hat sie dennoch genaue Vorstellungen von der Textur und der Farbigkeit der von ihr verarbeiteten Wollstoffe: locker und leicht sollen sie sein, so dass sie ihre Trägerinnen umschmeicheln. Aufgrund der Herstellung von Hand glänzen die Materialien darüber hinaus durch Qualitäten, die man bei maschinengesponnenen Wollmaterialien nicht mehr findet: Denn durch das noch enthaltene Lanolin – bei maschineller Verarbeitung muss das Wollfett entzogen werden, um nicht die Technik zu verkleben – ist die Wolle besonders warm und sogar wasserabweisend. Bis zu 60 Prozent Feuchtigkeit kann diese Wolle aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen; Mäntel und Jacken behalten auch bei Nieselregen die Form.

Wer in die von Kathrin Schiefer entworfenen Stücke investiert, der wird mit jahrelanger Freude an zeitlosen Lieblingsstücken belohnt. Denn eine Investition in Nachhaltigkeit sind die edlen Modelle schon: zwischen 500 und 800 Euro müssen die Käuferinnen für eine Jacke oder einen Mantel rechnen. Dafür sind die Teile den jeweiligen Trägerinnen geradezu auf den Leib geschnitten. Die Kundinnen können aus verschiedenen Musterteilen die Schnitte, Farben und Details wählen, die ihrem individuellen Stil entsprechen. Vor allem „Frauen, die ihren Typ unterstreichen wollen und nicht jeder Mode hinterher rennen wollen“, finden sich in dem kleinen Atelier im zweiten Stock eines alten Gebäudes auf dem Rosenheimer Ludwigsplatz 9 wieder. Dort können können sie auch gleich passende Hosen, Röcke, Blusen aus Chiffon oder durchsichtigen Stoffen wählen, die Kathrin Schiefer als eleganten Kontrast zur eher groben Wolle empfiehlt. „Fein und grob, glänzend und glatt“, sind die Kombinationen, die Kathrin Schiefers Handschrift ausmachen. Und obwohl die Schneiderin mit Meistertitel und Modeschul-Diplom durchaus von den traditionellen Trachten ihrer oberbayerischen Heimat geprägt ist, lässt sie sich regelmäßig von den Modeschauen ihrer Haute-Couture-Kollegen inspirieren. Vor allem die Entwürfe aus dem Hause Armani und Luis Vuitton mit Tom Ford findet sie spannend und so ist denn auch ihre Kollektion immer modern, ohne modisch zu werden.

Foto: René Antonoff

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