Dokumentarfilmfestival München: Die Tipps der Quell-Redaktion

Wirkliche Geschichten in filmischen Bildern – das macht den Dokumentarfilm so emotional und spiegelt uns die Welt unverfälscht, mit ihren Sonnen- und ihren Schattenseiten. Aus den 140 Filmen des Münchner Dokumentarfilmfestival stellt Martina Guthmann fünf Filme vor, die sie besonders beeindruckt haben.

„Das Golddorf“ von Carolin Genreith

Bergen im Chiemgau ist ein schönes bayrisches Dorf. Es ist friedlich, es gibt Berge und den Chiemsee, jeder kennt jeden und bayrische Werte und Traditionen werden gepflegt. Mitten im Ort leben jetzt über 40 Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien und Afghanistan. Da steht plötzlich die Weltpolitik vor den Haustüren – Heimatlosigkeit trifft auf Heimatidylle.
 Was passiert jetzt? Wer hilft? Wer hat Angst? Und vor allem: Wie kommen die Flüchtlinge hier zurecht? Was beschäftigt sie? Was vermissen sie? Wovon träumen sie? Und was verändert sich in einem kleinen, homogenen Dorf, wenn Heimat geteilt werden soll? Carolin Genreith gelingt eine perfekte Doku-Komödie mit viel Stoff zum Schmunzeln genauso wie zum Nach- beziehungsweise Umdenken. Fazit: Unsere Heimat kann selbst dann unsere Heimat bleiben, wenn wir darin Platz für Fremde machen.

„alle 28 Tage“ – von Ina Borrmann

Ina Borrmann will schwanger werden, der Zeitpunkt fühlt sich jetzt richtig an und die Beziehung stimmt. Aber was tun, wenn die Natur nicht mitspielt? Wo zieht man etwa die Grenze bei medizinischen Eingriffen? Der berührende Film erzählt hautnah aus der Perspektive der betroffenen Regisseurin, wie intensiv unerfüllter Kinderwunsch die Beziehung, den Alltag, den Blick auf das Leben und die Welt beeinflusst. Als Zuschauer erlebt man mit der Regisseurin und Protagonistin den kompletten Prozess mit allen Hoffnungen, Tiefpunkten und Fragen rund um die Hoffnung auf eine Schwangerschaft. Der Film ist humorvoll, schmerzvoll und macht extrem nachdenklich über Möglichkeiten und Grenzen der Medizin.

„Nicht alles schlucken“ – von Jana Kalms und Piet Stolz

Psychopharmaka sind ein Riesenmarkt und ein Riesengeschäft. Doch was wissen wir über die Folgen jenseits von klinischer Forschung und Pharmaindustrie? In einem eigens für die Dokumentation geschaffenen Raum sind 20 psychiatrie-erfahrene Menschen, Angehörige und Ärzte verabredet. Es ist ein Beispiel für ein Trialogforum, wie es sie seit 25 Jahren und inzwischen in mehr als 120 deutschen Städten gibt. In diesen Orten der Begegnung kommen psychose-erfahrene Menschen, Angehörige und psychiatrische Fachkräfte miteinander ins Gespräch, von der optimistischen Haltung getragen, dass es möglich ist, trotz Leid, Ohnmacht und Hilflosigkeit mit psychotischen Krisen zu leben. Der Film über das Trialogforum gewährt tiefe Einblicke in die menschliche Existenz und zeigt, was Einzelne in Krisen wirklich brauchen. Kinostart 28. Mai 2015

 Dokus zu ´ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit´

“Geld regiert die Welt!“ Dabei können weder Ökonomen noch Gesellschaftswissenschafter oder Philosophen begründen was Geld eigentlich genau ist. Die Reihe DOK.money zeigt sieben Filme, die versuchen das Thema aus verschiedenen Perspektiven auf den Punkt bringen.

„From Business to Being“ – von Hanna Hennigin und Julian Wildgruber

Der Wunsch nach mehr Begeisterung, Sinnhaftigkeit und Authentizität bei der Arbeit zieht sich durch die gesamte Dokumentation: Zu Wort kommen Menschen, die sich auf die Suche nach Wegen aus dem “Hamsterrad des Getrieben-Seins” gemacht haben: Zum Beispiel Rudolf Wötzel, ehemaliger Investmentbanker, der nach einem schweren Burnout seinem bisherigen Leben eine völlig neue Richtung gegeben hat. Oder Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Drogeriemarktkette dm, der sich für eine Überwindung des hierarchischen Machtdenkens ausspricht. Oder Rudi Ballreich, der als Coach seit vielen Jahren in meditativen Methoden lehrt. Aus diesem Innehalten können sich neue Wege im Privaten wie im Beruf entwickeln. Wer bin ich? Was begeistert mich? Und wie beginne ich bei mir ganz persönlich mit einer besseren Arbeitswelt und Gesellschaft.

„Andermatt – global Village“ – von Leonidas Bieri und Robin Burgauer


Mit der Nachhaltigkeitsfrage im Tourismus im Sinne der Natur beschäftigt sich diese Dokumentation. Ein ägyptischer Geschäftsmann kauft Andermatt, eine von Abwanderung bedrohte Talschaft im Herzen der Schweiz. Der Film begleitet über sieben Jahre die Wandlung des Schweizer Alpendorfes in ein Luxusressort. Der Film begleitet Gegner und Befürworter, Architekten und Agenten des Megaprojekts vom Spatenstich bis zur Eröffnung des ersten Luxushotels vier Jahre später und lässt das unbekannte Ende und die Antwort offen: Ausverkauf der Heimat; Zerstörung der Natur, Megapleite oder nachhaltige Perspektive.

www.dokfest-muenchen.de

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